auf die Fragen von Bündnis 90/DIE GRÜNEN Schwielowsee und SPD Schwielowsee zur
Bürgermeister:in-Wahl am 11. Oktober 2026
Vorbemerkung
Vorab ein offenes Wort: Alles, was ich hier schreibe, sind Ideen und Vorstellungen aus der jetzigen Zeit. Große Versprechen möchte ich bewusst nicht machen. Welche Möglichkeiten wirklich bestehen, wird sich erst zeigen, wenn ich das Amt übernehmen würde. Als Gemeindevertreterin kenne ich schon vieles, aber das tatsächliche Hintergrundwissen der Verwaltung fehlt natürlich. Oft wird es zunächst darum gehen, die Grundlagen zu schaffen. Und am Ende ist vieles eine Frage des Geldes.

Finanzen
1. Wie werden Sie die Ansiedlung von Gewerbe in Schwielowsee befördern?
Ich würde für unsere Unternehmer wieder ein offenes Ohr haben wollen. Viele von ihnen sprechen schon heute Probleme an, die seit Langem liegen bleiben, zum Beispiel den Internetanschluss im Caputher Gewerbepark. Um diese Dinge sollten wir uns zuerst kümmern, sie hätten für mich Priorität. Die Telekom will in Caputh und Geltow Glasfaser verlegen. Ich würde mich dafür einsetzen, dass der Gewerbepark unbedingt dabei ist.
Gleichzeitig sollte die Entwicklung des Gewerbegebiets Ferch so schnell wie möglich umgesetzt werden. Dass Werder Feinkost jetzt dorthin zieht, zeigt, dass Nachfrage da ist. Ich könnte mir ein regelmäßiges Unternehmerfrühstück vorstellen, bei dem Probleme auf den Tisch kommen, bevor sie groß werden. Ein falsches Signal wäre es aus meiner Sicht, gleichzeitig die Gewerbesteuer von 330 auf 400 Prozent anzuheben.
2. Wie werden Sie das Haushaltsdefizit und die Ausgaben reduzieren, wo sehen Sie Sparpotenzial? Auch beim Verwaltungspersonal und/oder bei den KiTas bei sinkenden Kinderzahlen?
Alle haben derzeit finanzielle Probleme, die Kommunen, der Kreis, das Land und der Bund. Das ist kein Schwielowseer Sonderfall. Dazu kommt: Den Gemeinden werden immer mehr Aufgaben übertragen, aber auf den Kosten bleiben wir sitzen. Dabei gilt eigentlich das Konnexitätsprinzip, also wer bestellt, bezahlt. So steht es auch in der Brandenburger Landesverfassung. Dafür würde ich mich gegenüber dem Land deutlich einsetzen. Die geplante Erhöhung von Grundsteuer B und Gewerbesteuer ab 2027 würde ich gern verschieben. Sollte die Kommunalaufsicht es verlangen, führt allerdings kein Weg daran vorbei.
Fördermittel müssten viel stärker als bisher in unsere Planung einfließen. Mit dem INSEK haben wir eine sehr gute Grundlage geschaffen, wie sich Schwielowsee entwickeln soll, und genau diese Grundlage ist Voraussetzung für viele Förderprogramme. Auch eine digitale Verwaltung könnte Kosten sparen. Kündigungen beim Personal halte ich nicht für den richtigen Weg. Ich würde eher auf die natürliche Fluktuation und bessere Abläufe setzen.
Mein Ziel wäre weiterhin ein Kitaplatz für jedes Kind. Wir haben sinkende Kinderzahlen, und frei werdende Räume könnten wir anders nutzen, statt sie leer stehen zu lassen. Ich könnte mir vorstellen, dort Generationen zusammenzubringen, zum Beispiel mit Erzählstunden des Seniorenbeirats in unseren Kitas. Davon hätten Kinder und Ältere etwas, und es würde kaum Geld kosten.
3. Wie sehen Sie die Auswirkungen auf den Finanzhaushalt durch die Entwicklung von Wohn-Baugebieten, z.B. Geltow-Nord?
Neue Einwohner bringen Einkommensteueranteile und Schlüsselzuweisungen. Sie bringen aber auch Folgekosten mit, für Kita, Schule, Straßen und Abwasser. Für jede weitere Entwicklung in Geltow-Nord ist zuerst die neue Verbindungsstraße am Mühlenberg nötig. Ob ein Erweiterungsbau an der Schule in Caputh bei sinkenden Kinderzahlen noch nötig ist, wird gerade geprüft. Grundsätzlich sollten wir vorher genau prüfen, ob wir eine solche Entwicklung mit unserer Infrastruktur und unserem Haushalt stemmen können. Vor jedem Beschluss über ein Baugebiet müsste eine ehrliche Folgekostenrechnung auf dem Tisch liegen. Wohnungsbau ja, aber nur so, dass die Infrastruktur mitwachsen kann. Dazu gehört auch der ÖPNV, der an neue Baugebiete angepasst werden müsste.
Außerdem sollten wir den demografischen Wandel im Blick behalten. Unsere Einwohnerinnen und Einwohner werden im Schnitt älter, und damit brauchen wir mehr seniorengerechte Wohnungen.
Oft wohnen ältere Menschen allein in großen Häusern, während junge Familien keinen Platz finden. Ein Ansatz könnte sein, hier einmal anders zu denken. Wer im Alltag Unterstützung gebrauchen kann, könnte Hilfe annehmen und damit gleichzeitig Wohnraum schaffen, zum Beispiel über Modelle wie „Wohnen für Hilfe“, bei dem Studierende oder Auszubildende günstig bei Älteren wohnen und im Alltag mit anpacken. Auch der Umbau großer Häuser in zwei Wohnungen wäre denkbar. Nicht jeder möchte sein Haus teilen, und das muss auch niemand. Wer aber Interesse hat, kann sich gern melden, das Rathaus könnte dabei organisatorisch unterstützen.
Hinzu kommt, dass die aktuelle EU-Förderperiode mit ELER und LEADER 2027 ausläuft. Wie es danach weitergeht, ist noch offen. Deshalb sollten wir Projekte, die gefördert werden sollen, jetzt auf den Weg bringen.
Gewerbe
4. Wie stehen Sie zum umstrittenen Industrie- und Gewerbegebiet Seddin?
Ich halte das Vorhaben in dieser Form für nicht umsetzbar. Allein für Wasser, Abwasser und Regenwasser rechnet das Gutachten im Auftrag der WFBB mit 58 bis 147 Millionen Euro. Das Gutachten sagt selbst, dass die Wasserversorgung als Einzelprojekt nicht realisierbar ist. Zwar sollen die Kosten später über Grundstücksverkäufe wieder hereinkommen, aber bis dahin müssten die beteiligten Gemeinden, und dazu gehört auch Schwielowsee, Planung und Erschließung über Jahre vorfinanzieren und das Risiko tragen. Einen Investor gibt es bisher nicht, und erste Ansiedlungen wären frühestens ab 2032 möglich.
Keine der vier Gemeinden hat das Geld für Investitionen in dieser Größenordnung. Wir diskutieren in Schwielowsee gerade selbst über Steuererhöhungen, um unseren Haushalt auszugleichen. Ich würde lieber auf das setzen, was wir selbst in der Hand haben: unser Gewerbegebiet in Ferch schnell entwickeln und den Unternehmern vor Ort den Rücken stärken.
Energie und Wärme
5. Setzen Sie sich dafür ein, kommunale Gebäude mit PV-Anlagen auszustatten?
Grundsätzlich ja. Ein geeignetes Gemeindedach ohne Anlage ist verschenktes Potenzial. Ich könnte mir vorstellen, die Dächer prüfen zu lassen und dann über Fördermittel, Pachtmodelle oder Bürgerenergie umzusetzen, damit der Haushalt nicht zusätzlich belastet wird. Ohne Förderung oder Partner wäre das bei unserer Kassenlage allerdings kaum zu stemmen. Dass erneuerbare Energien der Gemeinde auch Geld bringen können, sehen wir an den Windrädern am Dachsberg: Sie bringen uns in diesem Jahr voraussichtlich rund 96.000 Euro Kommunalabgabe.
Verkehr und Mobilität
6. Wie stellen Sie sich eine zügige und priorisierte Umsetzung des Radverkehrskonzepts vor?
Das Radverkehrskonzept gibt es seit 2021, es wurde zu 80 Prozent aus EU-Fördrmitteln bezahlt. Es wäre schade, wenn es im Schrank liegen bliebe. Viele Maßnahmen, die eigentlich schon bis Ende 2022 erledigt sein sollten, kosten wenig: Poller korrigieren, Wegweiser anpassen, Sichtbehinderungen beseitigen, oft für ein paar hundert Euro. Damit würde ich anfangen, weil wir das aus eigener Kraft schaffen könnten. Danach sollten die Schulwege Vorrang haben.
Die großen Maßnahmen, etwa neue Radwege an den Kreisstraßen, kosten jeweils mehrere hunderttausend Euro und liegen überwiegend beim Landkreis oder beim Landesstraßenbetrieb. Dass es mit Fördermitteln gehen kann, sieht man gerade in Ferch: Der Geh- und Radweg an der K 6907 wird gebaut, der Anteil der Gemeinde wird mit gut 220.000 Euro gefördert. Auch der Kreis hat derzeit finanzielle Probleme, deshalb werden solch umfangreiche Maßnahmen auch in Zukunft schwierig. Hilfreich wäre ein jährlicher Bericht in der Gemeindevertretung, was umgesetzt wurde und was nicht. Da das Konzept inzwischen fünf Jahre alt ist, sollten wir einzelne Punkte vor der Umsetzung noch einmal prüfen, ob sie heute noch passen.
7. Was denken Sie über Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit in Schwielowsee?
Tempo 30 würde ich dort befürworten, wo es Sinn macht: vor Kitas, Schulen, an engen Ortsdurchfahrten und an Stellen, wo Fußgänger queren müssen. An der Michendorfer Chaussee vor der Kita „Arche Noah“ haben wir das mit unserer Petition erreicht. Eine pauschale Regelung für die ganze Gemeinde halte ich nicht für nötig. Viele unserer Straßen sind Kreis- oder Landesstraßen, dort entscheidet der Landkreis, und dort müsste man mit guten Gründen Druck machen.
8. Wie stehen Sie zur Problematik fehlender Verkehrssicherheit bei gleichzeitig steigendem Verkehrsaufkommen an unterschiedlichen Orten der Gemeinde?
Das ist mein Thema, seit ich mich kommunalpolitisch engagiere. Mit über 2.000 Unterschriften haben wir an der Michendorfer Chaussee in Caputh Tempo 30 und das Schild „Achtung Kinder“ durchgesetzt. Den Zebrastreifen hat der Landkreis abgelehnt. Wenn etwas abgelehnt wird, sollte man prüfen, ob es andere Lösungen gibt, und genau da würde ich dranbleiben.
Die Zeiten ändern sich rasant, deshalb müsste man sich die Verkehrsschwerpunkte in allen drei Ortsteilen immer wieder anschauen und neu beurteilen. An der Uferpromenade in Caputh gibt es zum Beispiel Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern, in Ferch erleben wir hohes Verkehrsaufkommen, wenn auf der Autobahn wieder Stau ist. Da müsste in Sonderfällen sofort reagiert werden. Wichtig ist immer ein guter Draht zur Straßenverkehrsbehörde, damit sich auch kurzfristig Lösungen finden lassen. Es ist immer wieder das Gleiche: Kommunikation ist das A und O. Nicht alles kostet viel Geld, manches ist eine Frage von Schildern und Hartnäckigkeit. An schwer einsehbaren Kreuzungen könnten zum Beispiel Verkehrsspiegel helfen. Leider wurde der Antrag für einen Spiegel am Sportplatz Ferch abgelehnt, auch da bleibe ich dran. Ich bin der Meinung: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
9. Wie stehen Sie zum Projekt einer barrierefreien Havelüberquerung (Caputher Gemünde)?
Die Seilfähre gehört seit Generationen zu Caputh. Sie ist Tradition und zugleich ein Unternehmen aus unserer Gemeinde, und für mich bleibt sie das Herzstück am Caputher Gemünde. Solche Betriebe sollten wir stärken. Die Machbarkeitsstudie für eine barrierefreie Verbindung an der Bahnbrücke ist zu 80 Prozent gefördert, der Entwurf des Endberichts liegt der Verwaltung vor. Untersucht werden Rampen, Aufzüge und eine Verbreiterung des Gehwegs. Das Ergebnis würde ich abwarten und offen in der Gemeindevertretung besprechen. Ehrlich gesagt sehe ich ein solches Bauwerk aber kritisch, denn selbst mit Fördermitteln bliebe ein erheblicher Eigenanteil bei der Gemeinde, und dieses Geld haben wir im Moment nicht. Wichtig wäre auch eine ehrliche Bedarfsermittlung: Wie viele Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen würden eine solche Verbindung tatsächlich nutzen?
Tourismus
10. Mit welchen Maßnahmen planen Sie den Schwielowsee-Tourismus unter Berücksichtigung des Natur- und Umweltschutzes weiter zu entwickeln?
Schwielowsee ist ein Geschenk. Wir sind staatlich anerkannter Erholungsort und leben von unseren Seen, deshalb müssen wir sie schützen. Ich stehe für maßvollen, nachhaltigen Tourismus, nicht für Massentourismus. Mein Ziel wäre, dass jeder in Brandenburg Schwielowsee kennt, und zwar aus den richtigen Gründen.
Unsere Schätze sollten wir besser zeigen: Einsteins Sommerhaus und das Schloss in Caputh, den Bonsai-Garten und das Museum der Havelländischen Malerkolonie in Ferch. Auch unsere Heimathäuser in Geltow und Caputh sind unbedingt einen Besuch wert. Ich könnte mir einen Kulturweg durch alle drei Ortsteile vorstellen. Dazu kämen ausgebaute Wasserwanderwege mit Anlegestellen und einfachen Rastplätzen, die sich oft über LEADER fördern lassen. Die geplante REWE-Nahkaufbox an der Neuen Scheune in Ferch könnte auch Wassersportlern dienen, wenn wir in der Nähe eine Anlegemöglichkeit schaffen. Wassersportveranstaltungen, gut ausgelastete
Campingplätze, gemeinsame Feste wie das Weiße Fest (Sommerpicknick) oder ein Fahrradsonntag und ein Markt mit regionalen Erzeugern würden auch die Nebensaison beleben.
Ganz wichtig wäre mir, Bildung und Naturschutz zusammenzubringen: Wald- und Wiesenprojekte für Schulen und Schautafeln an unseren Wegen, gern mit QR-Code zu kurzen Texten über Natur, Wild und Geschichte. Auch die Lauschtour könnte man erweitern. Ich entwickle selbst Workshops zu Nachhaltigkeit für Schülerinnen und Schüler und weiß, wie viel Kinder draußen lernen.
Werben sollten wir gemeinsam mit Werder, Potsdam und dem regionalen Tourismusverband, statt dass jeder für sich allein wirbt. Die Kurtaxe sollte sichtbar in Wege, Grünanlagen und Spielplätze fließen, die Gäste und Einheimische gleichermaßen nutzen. Vieles davon kostet wenig oder lässt sich mit Partnern und Fördermitteln umsetzen.
Gemeinwohlorientiertes Bauen / Wohnen für alle
11. Welche Maßnahmen / politischen Entscheidungen planen Sie, um der angespannten Wohnraumsituation und den stark steigenden Mieten in der Gemeinde entgegenzuwirken?
Wir brauchen Wohnungsbau, der zu Schwielowsee passt. Das heißt nicht, alles zuzubauen, sondern Nachverdichtung zu steuern, statt sie zu verhindern. Ich könnte mir vorstellen, Gemeindeflächen über Erbbaurecht oder Konzeptvergabe an Bauherren abzugeben, die bezahlbare Mieten zusagen. Das wäre ein Hebel, den die Gemeinde selbst in der Hand hat und der sie kein zusätzliches Geld kostet.
Mit dem sogenannten „Bauturbo“ des Bundes hat die Gemeinde weitere Möglichkeiten. Mit ihrer Zustimmung kann Wohnungsbau schneller zugelassen werden, auch wenn er vom Bebauungsplan abweicht. Das könnte helfen, bringt aber auch Nachteile mit sich: Wenn schneller gebaut wird, müssen Straßen, Kita und Schule trotzdem mithalten, und unser Ortsbild darf nicht darunter leiden. Deshalb würde ich jeden Fall einzeln und genau prüfen wollen. Wir sollten uns unser Planungsrecht nicht aus der Hand nehmen lassen.
Außerdem kommt einiges auf uns zu. Ab dem 1. Januar 2027 gelten wesentliche Teile der Brandenburgischen Bauordnung. Die Gemeinden bekommen damit mehr Verantwortung, müssen sich aber auch schneller positionieren. Darauf sollte sich unsere Verwaltung jetzt vorbereiten, damit wir keine Fristen verpassen und nicht über unsere Köpfe hinweg entschieden wird.
Informationen des Landes zur neuen Bauordnung:
https://mil.brandenburg.de/mil/de/themen/planen-bauen/oberste-bauaufsicht/bauordnungsrecht/neue-bbgbo/
Und vielleicht haben unsere Bürgerinnen und Bürger selbst gute Ideen. Die würde ich hören, zum Beispiel in den Ortsbeiräten oder über kleine Umfragen bei denen, die es direkt betrifft.
12. Wie planen Sie den sozialen Wohnungsbau und Wohnen für junge Familien zu fördern?
Ich spreche lieber von bezahlbarem Wohnen als von Sozialwohnungen. Schwielowsee hat eine besondere Lage am Wasser, und die Grundstückspreise sind entsprechend hoch. Klassischer sozialer Wohnungsbau ist unter diesen Bedingungen schwer umzusetzen, und selbst als Bauherr aufzutreten, könnte sich die Gemeinde nicht leisten.
Worum es mir geht: Junge Familien, die hier aufgewachsen sind, sollten hier auch wohnen bleiben können, genauso wie Menschen, die wir hier dringend brauchen, etwa Pflegekräfte oder junge Handwerker. Wie oben bereits beschrieben, könnte ich mir auch andere Wohnmodelle vorstellen. Ich wohne selbst auf einem Mehrgenerationenhof, auf dem man sich jederzeit gegenseitig unterstützt. Auch die Möglichkeit, einzelne Zimmer an Studierende abzugeben, verbindet Jung und Alt miteinander. Ich würde prüfen lassen, ob bei Gemeindegrundstücken ein Einheimischen- oder Familienmodell möglich wäre, zum Beispiel über das Erbbaurecht.
13. Welche Konzepte haben Sie, zusammen mit externen Betreibern, für Umnutzungskonzepte, z.B. zu Seniorenwohnen?
Viele ältere Menschen möchten hier alt werden, oft in einer kleineren Wohnung in ihrem Ortsteil. In Ferch wird bereits an einem neuen Konzept gearbeitet, das Altenpflege und die Ausbildung von Pflegekräften zusammenbringen soll. Außerdem laufen Gespräche darüber, wie sich Vereine in leerstehende Räume einbinden lassen.
Das Zauberwort ist Kommunikation. Eigentümer, Träger, Vereine und Investoren an einen Tisch holen und miteinander reden, bevor Gebäude leer stehen oder verfallen. Die Gemeinde könnte dabei Planungsrecht schaffen und zügig entscheiden.
14. Wie reagieren Sie kommunalpolitisch auf die Errichtung genehmigungspflichtiger Gebäude und Anlagen (z.B. Pools) ohne Baugenehmigung in der Gemeinde? (Abriss, Rückbau, Bußgeld)? Für Baustopp, Abriss und Bußgelder ist die Bauaufsicht des Landkreises Potsdam-Mittelmark zuständig, nicht die Gemeinde. Trotzdem ist das für mich kein Thema, bei dem sich das Rathaus wegducken darf.
Mein Grundsatz lautet: Regeln gelten für alle gleich. Wer ordentlich einen Bauantrag stellt, monatelang wartet und Auflagen erfüllt, darf am Ende nicht der Dumme sein, während der Nachbar einfach loslegt. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit und des Vertrauens in die Verwaltung.
Als Bürgermeisterin würde ich Hinweise auf ungenehmigte Bauten sachlich an den Landkreis weitergeben und dort auch nachhaken, was daraus geworden ist. Ich möchte mit der Bauaufsicht eine feste Absprache treffen, damit die Gemeinde über den Stand informiert wird und Fälle nicht jahrelang liegen bleiben. Ich will aber keine Kultur des gegenseitigen Anschwärzens im Ort. Streit unter Nachbarn löst man nicht über anonyme Anzeigen.
Abriss ist für mich das letzte Mittel. Vieles lässt sich mit einem nachträglichen Bauantrag heilen, und diesen Weg sollte man zuerst gehen. Konsequent durchgegriffen werden muss dort, wo Uferbereiche, Landschaftsschutzgebiete oder die Rechte von Nachbarn betroffen sind. Unsere Seeufer und unsere Natur sind das, was Schwielowsee ausmacht. Die dürfen nicht Stück für Stück zugebaut werden.
Am wichtigsten ist mir die Vorbeugung. Viele bauen ohne Genehmigung, weil sie gar nicht wissen, dass sie eine brauchen, zum Beispiel beim Pool, Carport oder Gartenhaus. Deshalb könnte ich mir im Rathaus eine verlässliche Erstberatung vorstellen: Ist mein Vorhaben genehmigungsfrei? Was sagt der Bebauungsplan? Wo muss ich hin? Dazu gehört auch, dass die Gemeinde ihre Bebauungspläne aktuell und verständlich hält, damit klar ist, was wo erlaubt ist.
Ich habe selbst im Bauamt der Stadt Beelitz gearbeitet und privat ein Mehrfamilienhaus in einem historischen Sanierungsgebiet saniert, das mitten im Baugenehmigungsverfahren unter Denkmalschutz gestellt wurde. Ich weiß, wie mühsam Genehmigungen sein können. Gerade deshalb setze ich mich für schnelle, klare Auskünfte ein und dafür, dass die Regeln am Ende für alle gelten.
15. Die GV hat sich in einem Grundsatzbeschluss zum Umgang mit gemeindlichen Liegenschaften zum Vorrang der Vermietung/Verpachtung gegenüber Verkauf positioniert.
a) Unterstützen Sie diese Position? Wenn ja: in welchem Umfang?
b) Welchen Vermarktungsumfang für die Vermietung/Verpachtung (Zeitraum/Intensität, usw.) halten Sie für notwendig, bevor von dem oben genannten Grundsatzbeschluss abgewichen werden kann?
a) Ja. In den letzten 20 Jahren ist unser Haushalt oft mit Grundstücksverkäufen ausgeglichen worden. Das kann nicht Sinn und Zweck einer zukunftsorientierten Entwicklung sein. Privat verkaufe ich doch auch kein Grundstück, um mein Konto aufzubessern. Ein Verkauf ist für mich der absolut letzte Ausweg, etwa wenn die Sanierung einer Immobilie unseren finanziellen Spielraum übersteigt. Grund und Boden, den die Gemeinde verkauft, ist für immer weg. Über Pacht und Erbbaurecht behalten wir Einfluss und haben dauerhafte Einnahmen.
Wichtig wäre mir, dass unsere Erbbaurechtsverträge gut formuliert und rechtssicher sind. In einigen Fällen ist es heute recht schwierig, die Position der Gemeinde durchzusetzen. Das sollte uns nicht noch einmal passieren. Auch die Laufzeiten sollten wir gut überlegen. Verträge über 99 oder 66 Jahre binden mehrere Generationen. Kürzere Laufzeiten mit der Möglichkeit zur Verlängerung würden der Gemeinde mehr Spielraum lassen.
b) Bevor verkauft wird, sollte eine Fläche aus meiner Sicht mindestens ein Jahr lang öffentlich und aktiv zur Pacht angeboten worden sein, mit Veröffentlichung im Amtsblatt, auf der Homepage und direkter Ansprache möglicher Interessenten. Würde davon abgewichen, müsste die Verwaltung das in der Gemeindevertretung nachvollziehbar begründen. Und wie bereits gesagt: Ein Verkauf kommt nur in absoluten Ausnahmefällen infrage.
Klima
16. Planen Sie die Einrichtung eines Klimaschutzmanagements für die Gemeinde (ggf. nach dem Vorbild Michendorf) – und wenn ja, wann und in welcher Form?
Das könnte ich mir vorstellen, aber nur mit Förderung. Über die Kommunalrichtlinie des Bundes wäre das möglich, Michendorf zeigt, wie es geht. Eine solche Stelle sollte nicht Papier produzieren, sondern Fördermittel für konkrete Maßnahmen holen, etwa für PV, Gebäudesanierung und Radwege. Dann könnte sie sich zu einem großen Teil selbst tragen. Ob und wann, hinge davon ab, wie sich unser Haushalt entwickelt.
17. Wie sollen nach Ihren Vorstellungen Klimafolgenanpassung (Hitzeschutz, Beschattung, Baumbestand, Schwammstadt, Wassererhalt, Brandschutz), nachhaltiges Bauen, Verkehrsberuhigung, nachhaltige Mobilität und erneuerbare Energien mit klaren Zuständigkeiten und Zeitplan berücksichtigt werden?
Ich könnte mir eine Maßnahmenliste vorstellen, in der jede Maßnahme einen Verantwortlichen, einen Termin und eine Finanzierung hat, und einen jährlichen öffentlichen Bericht an die Gemeindevertretung. Ich könnte mir auch vorstellen, zusammen mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern Ideen zu entwickeln.
Einige Beispiele: Ersatzpflanzungen für gefällte Bäume sollten im Gemeindegebiet stattfinden und nicht woanders. Beim Gießen könnten Baumpatenschaften mit Vereinen und Schulen helfen. Bei eigenen Bauprojekten der Gemeinde sollte Regenwasserversickerung Standard werden. Beim Wassererhalt gibt es schon ein gutes Beispiel: Die Klimainitiative vernässt gemeinsam mit der Gemeinde und mit Unterstützung der Uni Potsdam wieder das Moor am Caputher See, ein Förderantrag über das Programm „1000 Moore“ ist gestellt. Wo es einfach umzusetzen ist, könnte ich mir auch öffentliche Trinkwasserbrunnen vorstellen, etwa an Spielplätzen oder Badestellen. Das hilft an heißen Tagen und kostet nicht viel. Beim Brandschutz sollten fehlende Löschwasserstellen zeitnah umgesetzt werden (siehe Gefahrenabwehrplan).
18. Soll Ihrer Ansicht nach das Ziel der Klimaneutralität in der Gemeinde bis 2045 erreicht werden oder ist es für Sie politisch in Ordnung – wie es im neuen Beschluss des Kreistages vom 02.07.2026 heißt – einen längeren Zeithorizont bis 2060 einzurichten?
Das deutsche Ziel ist 2045, daran würde ich mich orientieren. Ich möchte aber keine Jahreszahl versprechen, die ich mit dem Haushalt nicht hinterlegen kann. Mir wäre wichtiger, dass wir jedes Jahr messbar vorankommen und das auch nachweisen, als dass wir ein Datum beschließen und es dann nicht bezahlen können.
Gemeinsam in Schwielowsee
19. In den letzten Jahrzehnten sind immer mehr notwendige „Dritte Orte“ (Bibliothek, Nachbarschaftstreff, Kneipe…) in den Ortsteilen verschwunden. Wie wollen Sie diese Entwicklung stoppen und ggf. sogar umkehren?
Für freiwillige Aufgaben der Gemeinde wird es finanziell immer schwerer.
Ein Beispiel aus Caputh: An der Ziegelscheune haben sich Rentner fünf Jahre lang jeden Sonntag an ihrer Bank getroffen. Dann wurde die Bank abgebaut, ohne dass jemand gefragt wurde. So verschwinden Treffpunkte. Erst auf eine Initiative hin wurde sie wieder aufgestellt. Mir wäre wichtig, dass vorher gefragt wird. Das kostet nichts.
Ein gutes Beispiel ist der geplante Platz an der Neuen Scheune in Ferch mit Spielplatz, Bänken und Nahkaufbox. So entsteht ein Treffpunkt mitten im Ort. Ich würde mir außerdem einen festen Treffpunkt für unsere Jugend wünschen. Unsere Vereine sind die wichtigsten Dritten Orte, die wir haben, und bräuchten eine Verwaltung, die sie unterstützt statt bremst.
Glücklicherweise wächst auch wieder das Interesse an Cafés und gemütlichen Orten. In Caputh etablieren sich gerade einige wundervolle Treffpunkte. Nutzungskonzepte müssten für vorhandene Räume überprüft werden. Möglichkeiten gibt es, etwa frei werdende Kita-Räume oder auch Räume im Fercher Seniorenheim. Da muss man miteinander sprechen und Interessen verknüpfen.
20. Betrachten Sie die Ergebnisse und Vorschläge des INSEK als verbindliche Leitplanken?
Ja. Das INSEK ist für mich ein Fahrplan und eine gute Grundlage für die Zukunft. Es ist von der Gemeindevertretung mit großer Mehrheit beschlossen worden und Voraussetzung für Fördermittel. Die Ziele sind also längst da. Was fehlt, wäre jemand, der sie Schritt für Schritt umsetzt, soweit das Geld es zulässt. Leitplanke heißt für mich aber nicht, dass nichts mehr angepasst werden kann. Wenn sich etwas ändert, entscheidet die Gemeindevertretung.
Kinder + Jugend
21. Mit welchen altersgerechten Beteiligungsformaten, welchem Budget, welchen Entscheidungsrechten und mit welcher festen Ansprechperson in der Verwaltung werden Sie die Kinder- und Jugendbeteiligung dauerhaft absichern?
Die Beteiligung ist nach § 18a der Kommunalverfassung Pflicht und nicht nur ein netter Wunsch. Wir haben dafür bereits eine gute Grundlage: Es gibt einen Kinder- und Jugendbeauftragten, der gerade die Gründung des Kinder- und Jugendbeirats begleitet. Später können sich die „jungen Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker“ dort selbst einbringen. Außerdem gibt es seit vielen Jahren die mobile Jugendarbeit mit einem Sozialarbeiter für unsere Kinder und Jugendlichen.
Auf die Zusammenarbeit mit beiden würde ich mich sehr freuen. Ein eigenes Jugendbudget, über das der Beirat selbst mitentscheidet, fände ich gut, zum Beispiel beim Jugendtreffpunkt. Wie groß es sein könnte, hinge vom Haushalt ab, aber auch ein kleiner Betrag zeigt, dass wir die Jugendlichen ernst nehmen. Bei Kindern würde Beteiligung eher über Schulen und Kitas funktionieren, bei Jugendlichen über kurze Umfragen und Treffen vor Ort statt langer Sitzungen. Mein Weg als Kümmerin begann übrigens schon in meiner Schulzeit, als ich als Klassensprecherin Verantwortung übernommen habe.
Ich könnte mir auch vorstellen, gemeinsam mit dem Seniorenbeirat Ideen für eine Zusammenarbeit über die Generationen hinweg zu entwickeln. Jung und Alt haben sich oft mehr zu sagen, als man denkt.
Gleichstellung / Antidiskriminierung
22. Welche Schwerpunkte sollte die Gleichstellungsbeauftragte Schwielowsee in
ihrer Arbeit für die Gemeinde setzen?
Eine Gleichstellungsbeauftragte oder ein Gleichstellungsbeauftragter hätte meine volle
Unterstützung. Man muss aber ehrlich sagen: Eine Vollzeitstelle dafür gibt es in unserer
Gemeinde nicht, und bei unserer Haushaltslage wird sich daran so schnell nichts ändern.
An erster Stelle steht für mich, dass es eine vertrauenswürdige Ansprechperson gibt, an die sich Menschen wenden können, wenn sie sich benachteiligt oder bedrängt fühlen. Ich bin selbst Kinderschutzbeauftragte in meinem Sportverein. Man hofft, dass man so eine Stelle nie braucht, aber sie muss da sein, und jeder muss wissen, an wen er sich wenden kann. Auch aus meinen vielen Jahren im Personalrat weiß ich, wie wichtig eine Person ist, der man vertrauen kann.
Inhaltlich sähe ich Schwerpunkte bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, also bei verlässlichen Kitaplätzen und Betreuungszeiten, die zur Arbeitswelt passen, und bei Frauen in Ehrenamt und Kommunalpolitik, wo sie immer noch zu selten vorne stehen. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass die Gleichstellungsbeauftragte unsere Vereine bei Schutzkonzepten unterstützt, damit es überall eine feste Ansprechperson gibt.
Nadine Stephan
Ferch, im September 2026
